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Karneval in Mainz

TrommelDie Mainzer Fastnacht ist das Mainzer Volksfest, die berühmte 5. Jahreszeit. Fastnacht, das sind drei tolle Tage und vier durchjubelte Nächte. Fastnacht in Mainz ist aber auch ein Stück Stadtgeschichte, ein kulturgeschichtliches Phänomen, das durch die bekannte Fernsehsendung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" die närrische Hochburg weit über die lokalen Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Wer jedoch glaubt, die drei tollen Tage alle in seien die Mainzer Fastnacht, der irrt. Erst nach der Verkündung des närrisch en Grundgesetzes auf dem Schillerplatz spielen die Fastnachts-Garden alljährlich wieder im Takt des berühmten Narrhalla-Marsches das "Ritzamban".
Richtig los geht es dann ab dem 01. Januar mit dem Neujahrsumzug der Garden durch die Mainzer Innenstadt. Von nun an finden an allen Wochenenden bis zum Aschermittwoch Sitzungen der Narren in Schloß, Rheingoldhalle und anderen Veranstaltungsräumen statt. Hier hat die volle Stunde ihre Geltung verloren, nur 11 nach Ganz darf eine Sitzung beginnen und der Elferrat einziehen in Glanz und Pracht des festlich geschmückten Saals.

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis des Folgenden:


- Die Wurzeln der Mainzer Fastnacht

- Der geschichtliche Hintergrund

- Die Fastnacht der "ersten Tage"

- Die liebe Obrigkeit "zum Ersten" (1843)

- Suche nach neuen Wegen "zum Ersten" (ab 1848)
-- Die Themen der Fastnacht in der "zweiten Phase"

- Neue Anfänge im Kaiserreich (1872 - 1914)
-- Suche nach neuen Wegen "zum Zweiten" (ab 1900)

- Money, money, money . . .

- Die liebe Obrigkeit "zum Zweiten" (1925)

- Gleichschaltung im Dritten Reich
-- Anpassung und Kritik

- Neubeginn und Wirtschaftswunder

- Der Beginn der Fernsehfastnacht


 

Die Wurzeln der Mainzer Fastnacht

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Die Wurzeln der Fastnacht reichen weit zurück in die Geschichte und sie ist eng verbunden mit den sattsam bekannten Vereinen Ranzengarde, MCV und MCC, die in diesen ersten Tagen der Mainzer-Fastnacht gegründet wurden.

Die Fastnacht in ihrer heutigen Form mit Sitzungen und Rosenmontagszug, mit Theaterposse und Prinzenpaar, mit Orden und Kappe entwickelte sich Mitte des letzten Jahrhunderts zur Zeit des deutschen Vormärz, als konservative Kräfte versuchten, die Entfaltung des erstarkten Bürgertums zu verhindern. Das war die Zeit der Vereinsgründungen.

1838 beschlossen Mainzer Bürger die Fastnacht „in besserer Ordnung und edlerem Geschmack zu feiern und gründeten den Mainzer Carneval-Verein. Am 19. Januar 1838 bat das bereits gewählte Komitee den Freiherrn Ludwig von Lichtenberg, den Leiter des Kreisamtes Mainz und Regierungspräsidenten der Provinz Rheinhessen, um Genehmigung der ebenfalls auf den 19. Januar datierten Statuten. Am 22. Januar 1838, genehmigte Lichtenberg die Statuten des MCV. Am 25. Januar wurde im Saal des Römischen Königs die 1. Generalversammlung durchgeführt. Eintrittskarten, „welche die Mitgliedschaft begründen“, waren für 3 Gulden 30 Kreuzer, „die Ordonanz-Gecken-Kappen“ für 1 Gulden bei dem Schatzmeister des Vereins in den Domläden zu haben. Diese 4 1/2 Gulden waren eine stolze Summe. Es gab Arbeiter, die diesen Betrag als Wochenlohn erhielten. Am 28. Januar fand, diesmal im Hof zum Römischen Kaiser, eine Versammlung derjenigen „Carnevals-Mitglieder“ statt, die „sich bei dem Maskenzug als aktiv beteiligen wollen“. Am 9. Februar beantragte der Präsident des MCV die Genehmigung des geplanten Fastnachtsmontagszugs, die auch prompt erteilt wurde. Lediglich der für den Fastnachtssonntag vorgesehene Fackelzug wurde von dem Vizegouverneur der Bundesfestung aus Sicherheitsgründen verboten.

Am Fastnachtssonntag wurde erstmals eine Posse aufgeführt und am folgenden Tag, dem 26. Februar 1838, zog der erste richtige Rosenmontagszug durch Mainz.

Damit war die moderne Mainzer Fastnacht geboren.

Schon in ihrem Gründungsjahr wies sie alle Elemente auf, die auch heute noch Bestandteile der Mainzer Fastnacht sind: Sitzung, Posse, Orden und Kappe, Zug und Kappenfahrt.Geschützt durch die Narrenkappe, verborgen hinter geschliffenen Versen durchbrachen die Fastnachter die allgegenwärtige Zensur: Die politisch literarische Ausprägung der Mainzer Fastnacht hatte ihre Form gefunden. Sitzungen und Straßenfastnacht gleichermaßen erhielten ihr Programm mit Theaterposse, Rekrutenvereidigung, Rosenmontagszug und Kappenfahrt.

Der geschichtliche Hintergrund

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Die moderne Mainzer Fastnacht entstand also in der Zeit des Biedermeier, in einer Zeit also, die an bürgerliche Idylle, Behaglichkeit und Gemütlichkeit erinnert. Der letzte Krieg lag 25 Jahre zurück. Straßenbau, Dampfschifffahrt und Eisenbahn beschleunigten den Verkehr in ungeahntem Maße, sie machten das moderne Reisen und den schnellen Warentransport erst möglich. Fabriken entstanden, die Dampfkraft breitete sich aus, die Mechanisierung stand vor den Toren, die Bevölkerung wuchs. Der Glaube an den Fortschritt war lange ungebrochen. Aber unter der glatten Oberfläche gab es auch Unruhe. Mainz, die kurfürstliche Residenz, war 1792/93 und von 1798 bis 1814 französisch gewesen, und in diesen Jahren war die in Stände gegliederte Gesellschaft gründlich durcheinandergewirbelt worden. Die Franzosen hatten mit der Mainzer Republik von 1792/93 den ersten demokratischen Versuch auf deutschem Boden ausgelöst. Sie hatten eine vorbildliche Justizverfassung gebracht, eine moderne Verwaltung, auch die kommunale Selbstverwaltung, auf der die heutige Rheinische Bürgermeistereiverfassung fußt. Und sie hatten, dem Besitzbürgertum politische Mitspracherechte eingeräumt. Die bürgerliche Gesellschaft begann zu entstehen.

In der hessischen Zeit - 1816 war Mainz mit seinem Hinterland an das Großherzogtum Hessen gekommen und Hauptstadt der Provinz Rheinhessen geworden - blieben die in französischer Zeit geschaffenen Grundlagen weitgehend erhalten, waren aber zunehmend gefährdet. Obwohl sich die linksrheinische Bevölkerung mit der Tatsache, dem Mittelstaat Hessen anzugehören, zunächst nicht recht anfreunden konnte und über Steuerdruck und wirtschaftliche Benachteiligung klagte, verlief das öffentliche Leben doch in ruhigen und geordneten Bahnen.

Nach der französischen Julirevolution von 1830 hatten sich, begünstigt durch die folgende verheerende Hungersnot, auch in Mainz freiheitliche, soziale und nationale Bestrebungen gezeigt. Geheime politische Verbindungen waren geknüpft worden, Gerüchte sprachen von bevorstehenden Aufständen. Als die Garnison der Bundesfestung Mainz 1831 um mehrere tausend Mann verstärkt worden war, hatte man in Darmstadt offenen Aufruhr befürchtet, da die Mainzer die Einquartierungslasten während der Hungersnot kaum noch ertragen konnten. Denn Mainz war nicht nur hessische Provinzialhauptstadt, sondern, seit 1815, auch Festung des Deutschen Bundes, in der die beiden Großmächte Österreich und Preußen Garnisonsrecht hatten.

Mainz war in den dreißiger Jahren eine Stadt am Beginn des Gärungsprozesses, in dem das Industriezeitalter heraufzog. Noch stark mittelständisch geprägt, war sie doch die industriell am weitesten entwickelte Stadt des Großherzogtums.Politischer Einfluss war an Vermögen gebunden, denn die Übernahme politischer Ämter setzte die Zahlung einer bestimmten Steuermenge voraus, die übrige Bevölkerung blieb vom politischen Geschehen ausgeschlossen. In Mainz wurde das Besitzbürgertum durch Großkaufleute, Spediteure, Wein- und Getreidehändler und einige Fabrikanten vertreten. Sie wurden auch zum Träger einer neuen bürgerlichen Kultur.

Um die „revolutionären Umtriebe“ in Deutschland einzudämmen, hatte der Deutsche Bund 1832 und 1834 verschiedene Gesetze gegen die Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit erlassen. Diese Gesetze fanden im Großherzogtum Hessen strenge Anwendung. Und Mainz, die größte Stadt des Großherzogtums, bekam das Misstrauen des Darmstädter Ministeriums besonders zu spüren, ein Misstrauen, das bestärkt wurde von den beiden Großmächten im Deutschen Bund, Österreich und Preußen, die misstrauisch auf die süddeutschen Staaten blickten. Von den Maßnahmen des Ministeriums waren auch Vereine betroffen, die im Verdacht standen, den sogenannten Revolutionen nicht ablehnend gegenüberzustehen.

In der alten Gesellschaftsordnung vor der Französischen Revolution hatten die Menschen Korporationen angehört, die durch Geburt und Stand festgelegt waren, Zünften und Gilden, in die der Mensch in Beruf und Freizeit eingebunden war. An ihre Stelle trat nun der Verein auf der Basis eines freiwilligen Zusammenschlusses. Man konnte ein- und austreten und mehreren Vereinen zugleich angehören. Das Vereinswesen wurde im 19. Jahrhundert zu einer das Zeitalter prägenden Kraft.

Die Fastnacht "der ersten Tage"

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Die Fastnacht in diese Zeit wurde mit privaten Bällen und mit Bällen im Theater gefeiert, mit Maskentreiben auf den Straßen und in Kneipen. Nur Kinder und ältere Leute aus den untersten Volksklassen zeigten sich auf den Straßen.

1823 hatte in Köln eine Reform der Fastnacht stattgefunden, organisiert von den „Besseren“, d.h. vom Besitz- und Bildungsbürgertum. Mit der Redoute, dem Prinzen Karneval im Rosenmontagszug und den Sitzungen wurde der fortan gültige Rahmen der Fastnacht vorgegeben. Da zwischen Mainz und Köln mannigfache Geschäfts- verbindungen bestanden und beide Städte in Konkurrenz zueinander standen, kannten die Mainzer die neue Kölner Fastnacht.

In der Publizistik erfreute sich die Fastnacht von Anfang an großer Beliebtheit, und daran hat sich ja nichts geändert, wenn auch die Vorzeichen manchmal wechselten. Zurückschaltung der Straßen- und Kneipenfastnacht des Volkes, Veredelung des Brauchtums und Ankurbelung des Fremdenverkehrs waren die Motive der Vereinsgründer wie der Behörden.

Von Köln übernahm Mainz die Sitzungsfastnacht, die Posse, den Zug, die Garde und die Kappe. Man deutete dies als formale Übernahme, als oberflächliche Verwandtschaft. Im Gegensatz zu den Kölnern hätten die Mainzer „von Anfang an“ versucht, den Sitzungen einen oppositionell-politischen Sinn zu geben, einen Zusammenhang zwischen der Organisation der Mainzer Republik von 1792/93 unter General Custine und der Organisation der neueingeführten Fastnacht herzustellen. Die Quellen lassen eine solche These nicht zu. Sie konnte nur aufgestellt werden, weil als Quellen die beiden Narrenzeitungen „Narrhalla“ und „Neue Mainzer Narrenzeitung“ herangezogen wurden.

Insbesondere die „Narrhalla“ hatte eine oppositionell-demokratische Note, aber weder sie noch die Narrenzeitung waren getreue Spiegel der Fastnachtssitzungen; nur wenige der dort gehaltenen Vorträge wurden abgedruckt, die meisten Beiträge wurden direkt für die Narrenzeitungen geschrieben. Wegen ihrer politischen Haltung gerieten sie denn auch mit der Zensur in Konflikt, was zu Erscheinungsverboten und Redaktionswechseln führte.

In den Sitzungen wechselten Lokales, Kokolores und politische Vorträge in bunter Reihenfolge. Lokale Themen der vierziger Jahre waren Spaziergänge durch die Mainzer Straßen, Mainz im Jahr 1900, der Abriss des Fischturms, das schlechte Straßenpflaster, eine Fahrt mit der Taunuseisenbahn, die Mainzer Vereine, die Versammlung deutscher Ärzte und Naturforscher in Mainz.

Das Komitee des MCV z.B. bestand damals noch nicht aus elf, sondern aus acht Personen. Wenn es eine Anspielung auf die Politik gab, dann lag sie im Bereich der Komiteewahlen, denn die Mitglieder wählten zunächst 22 Wahlmänner, die dann das achtköpfige Komitee bestimmten, und diese Mehrstufigkeit entsprach den Wahlen zur zweiten Kammer des Landtags.

Die liebe Obrigkeit zum "Ersten"

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In den vierziger Jahren politisierte sich die Mainzer Fastancht und spiegelte so den Zustand der allgemeinen politischen Lage am Vorabend der Märzrevolution wider, die Unruhe nach dem Angriff der Darmstädter Regierung auf die in Rheinhessen so sehr geschätzte französische Justizverfassung. Die eigentliche Politisierung begann 1843/44 als der spätere Landtags- und Paulskirchen- abgeordneten Dr. Fanz Zitz und Philipp Wittmann ins Komitee des MCV einzogen. Auf diese jungen Juristen und ihre Freunde geht das närrisch-jakobinische Vokabular zurück.

Diese Politisierung führte natürlich zu Konflikten mit den Behörden. Ein Spottgedicht in der Narrhalla von 1844 auf König Ludwig I. von Bayern, ein gegen die verstorbene Herzogin Elisabeth von Nassau gerichteter Wagen im Rosenmontagszug von 1845, eine Beschwerde des österreichischen Gesandten in Darmstadt an Staatskanzler Metternich über die Sitzungsfastnacht 1846 bedrohten sogar die Existenz der Vereine, der sich aber stets von solchen einzelnen Vorkommnissen distanzieren konnte. Nicht immer erlebten die Fastnachter ungeteilte Begeisterung. Die Kampagne von 1845 wurde von vielen als enttäuschend bezeichnet. Und trotz großer Bedenken aus Darmstadt konnte die jährliche Genehmigung der Statuten und des Programms für die Kampagne 1846 durchgesetzt werden.

1848 fanden im Frankfurter Hof planmäßig einige Sitzungen statt. Dann beendete die Politik das närrische Treiben. Am 1. März wurden die für die Fastnachtstage vom 5. bis 7. März vorgesehenen Veranstaltungen abgesagt. Die Revolution von 1848 war ausgebrochen. In den Frankfurter Hof zog ein anderes Publikum ein.

Suche nach neuen Wegen "zum Ersten" (ab 1848)

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Wie hatte sich die Fastnacht nach 1848 entwickelt? Die Zeiten waren nicht günstig; die glanzvollen vielbesuchten Veranstaltungen der dreißiger und vierziger Jahre gehörten der Vergangenheit an. 50 „Unentwegte“ fanden sich als „Souveräner Club“ zusammen und hüteten die noch junge Tradition mit Sitzungen im Frankfurter Hof und der Aufführung einer Posse. 1851 bis 1854 veranstaltete die Gesellschaft „Schaluppe“ Sitzungen im Hahnerhof. Erst 1855 begann wieder der Sitzungeskarneval im Frankfurter Hof. In einem Aufruf hieß es: „Mitten unter den Klagen über schlechte Zeit, Teuerung und Verdienstlosigkeit schickt sich das goldene Mainz an, den Carneval in diesem Jahr aufs Neue in dem alten Glanze zu feiern. Wir begrüßen freudig dies Unternehmen, eben der teuern und verdienstlosen Zeit wegen, und im Interesse Aller derjenigen, die bei dieser Gelegenheit Verdienst und Brot finden werden. Auch die Ranzengarde zog 1855 erstmals wieder auf. Ein Jahr später kam die Kleppergarde hinzu, und wiederum ein Jahr später die Haubinger.

Den endgültigen Durchbruch der Fastnacht neueren Stils sah man aber erst 1857 gekommen. In der ersten Nummer der „Narrhalla“ hieß es, der Karneval sei in verjüngter Glorie wieder erstanden. Zwei Jahre nur habe man gebraucht, um das alte Karnevalsleben wieder erstehen zu lassen.

1858 wurden sechs Sitzungen („Generalversammlungen“) im Frankfurter Hof veranstaltet.Die Kappen dafür wurden für 5 Gulden verkauft, Fremdenkappen für 1 Gulden 45 Kreuzer für die erste Sitzung und für 48 Kreuzer für jede weitere Sitzung.

Wegen der Explosion des Pulverturms im November 1857, die zahlreiche Tote forderte und erhebliche Zerstörungen anrichtete, sagte das bereits gewählte Komitee die Veranstaltungen für 1858 ab und spendete 2000 Gulden an die Geschädigten. Die Kampagnen 1859 bis 1863 verliefen im gewohnten unbeschwerten Rahmen. Dann verlangten die unruhigen Zeiten wieder ihren Tribut. Nachdem 1864 Sitzungen und Zug wegen des drohenden deutsch-dänischen Krieges ausgefallen waren, fanden sie 1865 in der Fruchthalle statt, nicht mehr im Frankfurter Hof, den die neue Casino-Gesellschaft übernommen und Bedingungen in Bezug auf Sitte, Anstand und politisches Verhalten gestellt hatte, die die Veranstalter nicht annehmen konnten und wollten.1866 fand die Fastnacht wenig Interesse; der preußisch- österreichische Konflikt warf seine Schatten voraus. Die Veranstaltungen wurden abgesagt. Damit endete der zweite Abschnitt der Fastnachtsgeschichte. Auch er war ein Spiegel seiner Zeit gewesen, wie der erste Abschnitt vor 1848. Während damals in den Vorträgen „Freiheit und deutsche Einheit“ im Mittelpunkt der politischen Vorträge gestanden hatten, war der Komplex im zweiten Abschnitt verengt auf die deutsche Einheit, mit einer deutlichen antipreußischen Spitze.

Die Themen der Fastnacht in der "zweiten Phase"

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Neben den politischen Themen kamen die lokalen Themen in den fünfziger und sechziger Jahren nicht zu kurz, immer wieder wurden die schlechten Straßenverhältnisse aufs Korn genommen, die neue Gasbeleuchtung und die Stadthausfrage, die auch schon vor 1848 eine Rolle gespielt hatte. Und natürlich kam der Kokolores nicht zu kurz. Die Krinonline, die Zigarre, das schöne Geschlecht, häusliche Unterhaltung waren beliebte Vorlagen für die Kokolores-Vorträge.

Einige hatten nicht nur an den Themen der Vorträge jener Jahre etwas auszusetzen, sie ließen an der gesamten Mainzer Fastnacht kein gutes Haar. Denn „Religion und Sitte, Vaterland, Fürst und Volk“ würden verhöhnt, meinte er. Früher sei die Fastnacht viel besser gewesen, jetzt sei alle Gemütlichkeit daraus verschwunden, seitdem man in den dreißiger Jahren angefangen habe, große Festzüge abzuhalten und eine Art Organisation in die Narrengesellschaften zu bringen. Insbesondere kritisierte Haffner den „kolossalen Luxus“, die „Verflachung“ des Volksfestes, die Ausdehnung der Fastnacht von November bis April, das „ Spektakel“, die Zahl der Gesellschaften, von denen es, wie er gehört hatte, 60 geben sollte.

Neue Anfänge im Kaiserreich (1872 - 1914)

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Die Fastnacht feierte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg Triumphe. Aber sie hatte schwere Jahre hinter sich. 1873 wurden erstmals wieder seit 1865 Sitzungen in der Fruchthalle abgehalten, nachdem die „Hofnarren“ 1870 bis 1872 im Frankfurter Hof der Sitzungsfastnacht treu geblieben war und in der Fruchthalle einen närrischen Jahrmarkt abgehalten hatte. 1872 bat auch das „Comité der Carneval-Gesellschaft Charivari“ um Überlassung der Fruchthalle für einen Jahrmarkt.

1873 bis 1875 veranstaltete man wieder Sitzungen in der Fruchthalle, um dann erneut zu pausieren. Der große Schwung war dahin, die Politik verdarb die Stimmung. Die durch Preußen herbeigeführte Reichsgründung, der sich anschließende Kulturkampf bewirkten Parteiungen und Gegnerschaften. Das Aufkommen zahlreicher kleiner Korporationen und der Saalmangel bewirkten ein übriges, zumal 1876 die Fruchthalle abgebrannt war. Dass die Tradition nicht ganz abriss, war einigen „Fastnachtsfamilien“ zu danken.

Im Januar 1884 war die Stadthalle fertiggestellt. Schon in der Kampagne desselben Jahres eroberten die Karnevalisten die „gut Stubb“ und machte sie für das nächste halbe Jahrhundert zum närrischen Zentrum. Die Stadtverordneten-Versammlung stellte den großen Saal der Stadthalle und das stadtseitige Foyer für eine recht ansehnliche Gesamtmiete von 7000 Mark zur Verfügung.

Die Karten für die "Große Narrhalla Veranstaltung" kosteten im Vorverkauf 3 Mark, an der Abendkasse 4 Mark. Narrhallesen mit Stern zahlten 2 Mark. Das waren immer noch gepfefferte Preise. Sie entsprachen dem Tagelohn eines Arbeiters. Trotzdem waren die Sitzungen in der riesigen Stadthalle ausverkauft an den Konzerten und Bällen nahmen zwischen 5000 und 6000 Menschen teil.

Wegen der Finanzen gab es hinter den Kulissen Unstimmigkeiten. „Um für den an Fastnachtsmontag in Aussicht genommenen großen Festzug besonders glanzvoll gestalten zu können“, hatte man um einen „ angemessenen“ städtischen Zuschuss gebeten. Die Stadtverordneten-Versammlung beschloss jedoch, nach Anhörung des Finanzausschusses, „über das vorliegende Gesuch um Bewilligung eines Zuschusses zu den Kosten des Jubiläums-Festzuges am Fastnachtsmontag zur Tagesordnung überzugehen“.

Als 2500 bis 3000 Fastnachter am Abend des Fastnachtsmontags in einem Fackelzug durch die Stadt zogen und dem Oberbürgermeister ein Ständchen brachten, spielte dieser scherzhaft auf die Frage der Hallenmiete an und bezeichnete es als eigentümliches Missgeschick, dass die Wertschätzung des Karneval-Vereins durch die städtische Verwaltung in einem umgekehrten Verhältnis zu den wohlwollenden Gefühlen der Narrhallesen für die Bürgermeisterei stehe. „Es sei übrigens nicht zu übersehen, dass die Bürgermeisterei „dem Carneval-Verein während des ganzen Jahres gratis den größten Teil des Stoffes für seine Sitzungen liefere“.

Eine Neuigkeit war in der Jubiläumskampagne 1888 zu verzeichnen: Erstmals war der Landesherr, Großherzog Ludwig IV., aus Darmstadt herüber gekommen, um - allerdings inkognito und nur für eine Viertelstunde - auf der Empore der Stadthalle das närrische Geschehen anzuschauen. Und ein Teil der Großherzoglichen Familie erlebte vom Balkon des Großherzoglichen Palais, dem Deutschhaus, den Rosenmontagszug.

In den Jahren nach 1888 sind im Verlauf der Fastnacht auffallende Schwankungen und bemerkenswerte Entwicklungen festzustellen. Im Komitee, das jährlich neu zusammengesetzt wurde, zeigte sich größere Kontinuität, bisweilen führte das Komitee des Vorjahres die Geschäfte noch ein zweites Jahr. Der damalige Oberbürgermeister, seit 1894 im Amt, gehörte von 1897 bis 1901 dem Komitee an, und er war die „Prinzessin des Jahres 1897“. Auch bei den Präsidenten ist ein zunehmender Zug zur Kontinuität zu verzeichnen, insbesondere ab 1899. Die Präsidenten der folgenden Jahre nahmen ausnahmslos ihr Amt für mehrere Kampagnen wahr.

Mitte der 90er Jahre kam es zu Schwierigkeiten, mal fiel der Zug aus, mal verzichtete man auch auf Sitzungen und veranstaltete nur Konzerte und Bälle, die Besucherzahlen gingen, auch wegen der hohen Eintrittspreise, zurück.

Im Jahre 1899 entstand auch der Mainzer Carneval-Club aus dem Zusammenschluss von „Birnbaum-Club“ und „Humoristische Derke“. Deren Sitzungen im Schöfferhof nach der Jahrhundertwende wurden von 800 Personen jährlich besucht.

1903 kam dann erstmals wieder eine Fastnachtszeitung heraus, die fortan jährlich in fünf Nummern erschien. Im Gegensatz zu den früheren Narrenzeitungen wurden nur noch Originalbeiträge aus den Sitzungen abgedruckt.

1905 zum Beispiel kostete der Eintritt für eine Sitzung der Ranzengarde in der Stadthalle 1 Mark, der Eintritt für Fremde für eine Sitzung beim MCC 1,50 Mark und beim MCV 2,50 Mark, gegen Vorzeigen eines "Passes". Fremdendutten an der Abendkasse kosteten sogar 4 Mark. Kappe und Stern, die zum freien Eintritt für alle Veranstaltungen des Clubs in der Kampagne 1907 berechtigten - und das waren 4 Herrensitzungen einschließlich einer Haubensitzung und 1 Damensitzung - kosteten 4 Mark. Für die Bälle an Fastnachtsmontag und -dienstag musste zusätzlich bezahlt werden. Zu den „Pässen“ oder „Passepartous“ hieß es in der „Mainzer Carneval-Zeitung“ 1907 unter der Rubrik „Närrische Gedankensprünge“: „Auch in diesem Jahr hat uns der Mainzer Carnevalverein weder Kappe noch Stern beschert, und wir müssen uns mit Carnevalpässen behelfen, bei denen man in unserer Zeit der Teuerung unmenschlich viel Geld sparen kann. Das ist „wirtschaftlich“ von großer Bedeutung, aber die Mainzer Wirte haben doch keine rechte Freude daran und würden gerne für einen einzigen Buchstaben den doppelten Preis bezahlen. Was tun wir mit einem Carnevalpass, klagen sie, dem das beste Mittelstück fehlt? Es braucht bloß ein "s“ eingeflickt zu werden, und der Carnevalspass ist fix und fertig.

Suche nach neuen Wegen "zum Zweiten" (ab 1900)

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Die Schwierigkeiten, mit denen die Karnevalsvereine um die Jahrhundertwende zu kämpfen hatten, resultierten aus wirtschaftlichen Gründen und aus einer „Motivationsschwäche“, die Außenstehende zu beobachten glaubten, Beobachtungen, die zum Teil sehr modern anmuten. Die Presse befasste sich verschiedentlich mit diesen Schwierigkeiten und forderte eine „längst notwendige Sanierung“ des Mainzer Karnevals. So auch der „Neuste Anzeiger“ vom 6. Oktober 1900 in dem ausführlichen Artikel „ "Zum Karneval". Er meinte, der Ruf nach einer Sanierung des Mainzer Karnevals sei sehr schwer zu erfüllen, denn die „Vetternwirtschaft“ habe zu einem Rückzug der „alten, ächten karnevalsverständigen Männer“ geführt, der Nachwuchs fehle, die öffentliche Hand gebe keine Unterstützung. Das Blatt beklagte die hohe Miete für die Stadthalle, die in anderen Fällen zu viel kulanteren Bedingungen abgegeben werde. Andererseits forderte es aber auch zu größerer Sparsamkeit auf. „Fort mit den kostspieligen, die geistige Hohlheit verdecken sollenden Ausstattungen, als Ausschmücken der Halle mit einem teuren Podium, das keinen anderen Zweck hat, als den Namen irgend eines Architekten glänzen zu machen. Wir brauchen keine Plüschbaldachine und dergl."

Hört, hört !!! "Zum Ersten" (Anm. der BCA)

„Aber auch bei ihren Ausführungen wurde gesündigt und der Geschmack des Publikums nach jeder Richtung hin derart zugespitzt und durch das Gebotene verwöhnt, dass es keiner Steigerung mehr fähig ist und durch nichts mehr noch überboten und den stets wachsenden Anforderungen des närrischen Publikums kaum mehr Genüge geleistet werden kann. Ist es doch so weit gekommen, dass, wenn man in einer Sitzung nicht Schlag auf Schlag Vorträge erster Qualität zu hören bekommt, Zeichen der Misslaune wahrnehmbar werden, wenn anders man nicht gleich sagt: "Die Sitzung is awer mau!". „Der „Neuste Anzeiger“ wies auf die Schwierigkeiten hin, geeignete Redner zu finden und erwähnte auch die Nachteile, die die Größe der Stadthalle mit sich brachte. Wenn dann schon jemand den guten Willen besitze und bereit sei, seine Haut zu Markte zu tragen, dann solle man Anerkennung üben und schwächere Leistungen mit Nachsicht aufnehmen. Es sei schon genug, wenn der Redner in auswärtigen Blättern höhnische Bemerkungen über sich lesen müsse." so das Blatt weiter.

Dann kam der „Neuste Anzeiger“ auch zum Inhalt der Vorträge und zur Schwierigkeit, es einem jeden recht zu machen: „Denn dort unten sind alle Parteien vertreten; was dem Einen gefällt, missfällt dem Anderen. Der Schwarze rümpft über das die Nase, worüber der Rote lacht, während der erste wieder dabei einen Kitzel verspürt, wobei der Schwarz-Weiß-Rote ein langes Gesicht macht. Dazu kommen noch die Wilden, Semiten, Antisemiten, Alldeutsche und dergleichen. Der Behörde soll man auch nicht zu nahe kommen, das duldet der Präsident nicht, und wenn er aus national-liberalem Holze geschnitzt ist, dünkt ihm auch das Militär als „Kräutchen rühr mich nicht an“, und jede diesbezügliche Anspielung merzt sein Buntstift unbarmherzig aus dem Vortrage aus“.

Hört, hört !!! "Zum Zweiten" (Anm. der BCA)

Weiter forderte der „Neuste Anzeiger“ eine Verkürzung der Sitzungen von vier auf drei Stunden, und zwar von acht bis elf Uhr, „außer dem Protokoll vier gute Vorträge, abwechselnd mit geeigneten Musikstücken und wirklich humoristischen Liedern, kein phantastisches Zeug mit an den Haaren herbeigezogenen Melodien, die niemand singen kann...“ Außerdem wurde gefordert, wenigstens einen jungen Redner zu Wort kommen zu lassen und Störenfriede in die Schranken zu weisen. Es gebe leider in jeder Sitzung voreilige Kritiker, die selber nichts leisten könnten und vom Karneval „wie man ihn in ächtem Mainzer Geist verstehen muss“, überhaupt keine Ahnung hätten.

Hört, hört !!! "Zum Dritten" (Anm. der BCA)

Money, money, money . . . aktuell seit Jahr und Tag

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Die Veranstalter der Prunksitzungen quälten vor allem finanzielle Sorgen. Das Gespenst „Defizit“ stand in jeder Kampagne drohend im Raum. Seit 1897 mussten nur noch 6.000 Mark Saalmiete gezahlt werden. 1893 übernahm der MCV auch die Ausrichtung von zwei auf Kosten der Stadt veranstalteten Bällen, ohne dass er die Eintrittspreise erhöhen durfte. Aus den Einnahmen waren die Unkosten zu bestreiten und Reingewinn mit der Stadt zu teilen. Im Gegenzug wurde dem Verein ein Ladenlokal unentgeltlich als Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt.

Ab der Kampagne 1901 wurde die Hallenmiete auf 4.000 Mark gesenkt. Vor der Kampagne 1905 schlug der zuständige Ausschuss der Stadtverordneten-Versammlung vor, die Miete wieder auf 7.000 Mark anzuheben. Es gab auch Stimmen die vor dieser Erhöhung warnten. Sie äußerten die Überzeugung, die Veranstalter würden auf die Halle verzichten, wenn 6.000 Mark Miete gezahlt werden müssten.

Als dies tatsächlich geschah, wich die Stadtverordneten-Versammlung zurück und beließ es bei der beantragten Miete von 4.000 Mark, stellte aber die Bedingung, dass ein „etwaiger“ Überschuss bis zum Höchstbetrag von 2.000 Mark zur Hälfte an die Stadt abgeführt werden müsste, und sie äußerte die Erwartung, „dass der Karnevalverein für würdige Veranstaltungen, insbesondere während der drei Fastnacht stage, Sorge trägt“.

Dass dieses Hin und Her in den Büttenreden gebührend "gewürdigt" wurde, versteht sich von selbst.

Der Spott wurde noch beißender, als die Stadt im Dezember 1906 eine „Polizeiverordnung betreffend den Verkehr an den Karnevalstagen“ erließ, die die in den letzten Jahren überhand genommene Gepflogenheit steuern sollte, mit Orangen, Papierschlangen und Konfetti zu werfen, Personen mit Pritschen zu schlagen, mit Pfauenfedern zu berühren oder mit Flüssigkeit zu bespritzen.

An der Frage der Finanzierung hat sich schon damals gezeigt, welche Bedeutung die Fastnacht im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben der Stadt hatte.

1910 und 1911 hatten sich das Großherzogspaar beim Rosenmontagszug die Ehre gegeben und 1911 hatte Großherzog Ernst Ludwig eine Herrensitzung besucht.

Drei Jahre später begann der 1. Weltkrieg.

1914 fiel die Kampagne dem Krieg zum Opfer und auch in den Jahren danach wurde nur gelegentlich gefeiert. Stärker regte sich das närrische Leben erst wieder, als das Fieber der Inflation abklang. 1924 sammelten sich in den Vororten die Getreuen des Prinzen Karneval, und Ende 1924 wandte man sich an den Oberbürgermeister und bat um Hilfe der Stadt, ohne die eine Wiederbelebung der Fastnacht nicht möglich erschien, zumal die städtische Vergnügungssteuer-Verordnung von 1924 auch Fastnachtsveranstaltungen mit Steuern zwischen 80 und 100 Prozent des Eintrittspreises belegte.

Außer einer Herrensitzung wurden 1925 noch zwei Damensitzungen veranstaltet. Die Mainzer Carneval- Zeitung „Narrhalla“ erschien auch wieder mit einer Nummer im 13. Jahrgang. 1926 konnte auch wieder in die von den Franzosen freigegebene Stadthalle genutzt und ein reichhaltiges närrisches Programm angeboten werden. Ein Neujahrskonzert, drei weitere Konzerte, zwei Herrensitzungen, eine Damensitzung, eine Fremdensitzung, eine Theatervorstellung, ein Kinderfest am Fastnachtssonntag und zwei Maskenbälle an Fastnachtsmontag und -dienstag. Kappe und Stern kosteten 15 Mark. Der Preis hielt sich, bis er in der Wirtschaftskrise mehrmals gesenkt wurde. 1931 kosteten Kappe und Stern 12 Mark; erstmals war er auf Wunsch auch in 2 Raten zahlbar. 1932 gab es statt Kappe und Stern wieder Pässe seligen Angedenkens. 1932 wurden Herrenpässe für 8 Mark oder Doppelpässe (für Herren und Damen) für 12 Mark ausgegeben. Für besondere Veranstaltungen wurden Rabatte gewährt.

Die Hallenmiete betrug nunmehr 4.500 Mark, ein entgegenkommender Preis gemessen an der Geldentwertung gegenüber der Zeit vor 1914.

In der Kampagne 1927 zog auch erstmals wieder ein „närrischer Lindwurm“ durch die Mainzer Straßen. Der Zustrom der Fremden war groß und hatte eine steigende Tendenz in den folgenden Jahren. Noch mehr als in den Vorkriegsjahren wurde die Fastnacht in den wenigen wirtschaftlichen Blütejahren nach 1925 in den Dienst des Fremdenverkehrs gestellt. Für die Kampagne 1927 entwickelte der neue städtische Verkehrsdezernent in Verbindung mit den Mainzer Hoteliers, der Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung in Berlin und dem Mitteleuropäischen Reisebüro in Berlin sogar eine Pauschalreise "Drei Tage zur Fastnacht in Mainz". Das Angebot enthielt den Preis für Unterkunft und Verpflegung an drei Tagen einschließlich Besorgung des Gepäcks und Beförderung per Auto von und zum Bahnhof, vier Übernachtungen mit Frühstück „am Mittwoch“ und kostete 45 Mark. Die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung übernahm die Werbung im In- und Ausland. Die umliegenden Städte und Gemeinden erhielten Plakate durch das städtische Verkehrsdezernat. Die Reklamegesellschaft "Epoche" übernahm die „ Lichtbildwerbung“ in den Kinos. Die Werbe-Licht-AG in Frankfurt am Main drehte einen Film, der in den Kinos gezeigt wurde.

Die liebe Obrigkeit "zum Zweiten"

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In Sitzungsfastnacht der Jahre 1925 bis 1932, die nach einer Pause von elf Jahren wieder veranstaltet wurde, überraschten die Redner mit einer Fülle von qualitativ hochwertigen Vorträgen. Politik und entspannender Kokolores standen im Mittelpunkt der Vorträge - Spiegel der Zeit. Und das alles vollzog sich vor den Augen der französischen Besatzung. Schon am 12. Februar 1925, nach den ersten Sitzungen, protestierte der französische Oberdelegierte der Hohen Interalliierten Kommission bei dem Landeskommissar für die besetzten hessischen Gebiete, Strecker. Es sei ihm gemeldet worden, schrieb er, bei den karnevalistischen Veranstaltungen würden „Couplets“ vorgetragen, die die Würde der Besatzungsbehörden und der französischen Armee beeinträchtigten.

Ein weiterer Verweis folgte 1927. In der Herrensitzung vom 8. Januar hatte ein „Altmeister“ der Mainzer Fastnacht einen Vortrag gehalten, der die französische Bestztungsmacht aufs Korn nahm und den die „ "Mainzer Carneval-Zeitung" abdruckte.

Gegen diesen Vortrag protestierte der Kommandeur der 37. Division der französischen Rheinarmee im Auftrag des Kommandierenden Generals beim Oberbürgermeister. Die „Entgleisung“ müsste die peinlichsten Rückwirkungen auf die öffentliche Meinung und auf die Angehörigen der Besatzungsarmee haben. Hätten die Franzosen den Vortrag gehört oder den vollständigen Abdruck in der „Narrhalla“ gelesen, wäre der Protest wahrscheinlich schärfer ausgefallen. Insgesamt bewiesen die Franzosen Liberalität, denn es gab kaum eine Sitzung, in der sie nicht aufs Korn genommen wurden, ohne dass Proteste erfolgten.

Die Franzosen gingen schon ein Jahr später, aber vier Jahre später verschwanden auch Demokratie, Freiheit und Frieden.

Gleichschaltung im „Dritten Reich“

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Erstmals seit 1914 wurde an Neujahr 1933 wieder ein Umzug der Garden und ein Neujahrskonzert veranstaltet. Einen Monat später am 31.1.1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die NSDAP kündigte zwar durchgreifende Säuberungen an, aber es schien sich nicht viel zu ändern. Am 27.2 war Rosenmontag. An diesem Abend brannte der Reichstag. Am 31.3. und 7.4. wurde mit „ Gleichschaltungsgesetzen“ die Durchdringung aller Einrichtungen und Organisationen bis auf die Ebene von Sport- und Gesangvereinen nach dem Führerprinzip durchgesetzt.

Damit erhielt die NSDAP die lückenlose Kontrolle aller gesellschaftlichen Gruppen. Wer sich jetzt noch gegen das „Dritte Reich“ äußerte, dem war die Verfolgung sicher. Aber nicht jeder ist heldenmütig, auch nicht jeder Fastnachter. Schon „meckern“ oder „nörgeln“ bedeutete „heimtückische Hetze“ gegen das Dritte Reich, die mit Strafen belegt wurden. Es dauerte nicht lange, bis die große Mehrheit des deutschen Volkes sich mit dem Herrschaftssystem arrangiert hatte. Die Gleichschaltung der Fastnachtskorporationen dauert etwas länger als die der übrigen Vereine. Das lag auch daran, dass sie keine eingetragenen Vereine waren. Mit dem Einzug der Nazis in die Kommitees ab dem Jahre 1933 vollzogen sich auch sprachliche Änderungen ganz im Geist der NSDAP. Auch durften karnevalistische Veranstaltungen und Maskenbälle nur noch von karnevalistischen Vereinen abgehalten werden . Alle „nicht bodenständigen Garden“ wurden aufgelöst. „In diesem Jahr,“ schrieb die „Mainzer Warte“, „wird eine strenge Zentralisierung des karnevalistischen Lebens durchgeführt. Die Anzahl der kleinen Garden, die geradezu zu einer Landplage wurden, wird verschwinden und nur die alten und bewährten Garden, die einwandfrei geführt werden erhalten bleiben.“ Und weiter „Gegen die Hochflut der karnevalistischen Veranstaltungen von unberufener Seite wird eingeschritten werden.“ Vor der Kampagne des Jahres 1934 wurde dann auch der MCV gleichgeschaltet. Er gehörte zur NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, die die Freizeitbeschäftigung von Arbeitern und angestellten im Sinne des Nationalsozialismus lenken sollte. Ebenso beschloss man die Eintragung ins Vereinsregister. Lieder und Vortragstexte unterlagen der Zensur, wenngleich diese durch die Vereine selbst durchgeführt wurde. Nur so ist es erklärlich, dass auch so mancher Text mit kritischen Tönen in die Bütt kam. Auch wenn diese in der Minderheit waren. Aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung hatte die Fastnacht auch bei den Nazis einen Stellenwert. Parteigenehme Narrhallesen wurden in Komitees und Vorstände geschleust. Man übte gegenseitiges Wohlverhalten. Von peinlichen Anbiederungen aus der Bütt bis hin zu geschliffen geäußerter Kritik . . . alles wurde in der Kampagne geboten.

Der damalige Präsident des MCV, der den Verein „gleichschaltete“, „integrierte“ ihn dadurch zwar in das „ Dritte Reich“, er sicherte ihm damit aber auch das Überleben. „Fastnacht und ‚Drittes Reich‘“ ist ein schwer zu vermittelndes Thema. Jedenfalls war die Fastnacht auch im „Dritten Reich“ ein getreuer Zeitspiegel. Die „braunen“ Vorträge liefern üble Beispiele genug, aber auch die in der Minderzahl befindlichen Verse, mit denen, in der Tarnung der Narrenkappe, Kritik geübt wurde.

Anpassung und Kritik

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Lässt man jedes „Wenn und Aber“ beiseite, wird man sagen müssen, die Fastnachtskorporationen hätten sich selber auflösen oder verbieten lassen müssen, um ihrer Ehre willen. Sie taten dies nicht - wie tausend andere Vereine und Organisationen auch, die ebenfalls überleben wollten. „Die NS-Parteileitung bugsierte ihr besonders genehme Narrhallesen in Komitee und Vorstände. Man übte - per distance - beiderseitiges Wohlverhalten . Doch gab es gelegentlich auch peinliche Anbiederungen aus der Bütt oder im Zug, die zwar vom parteiamtlichen Mainzer Anzeiger hervorgehoben, von der Mehrheit der Narrhallesen aber durchaus nicht goutiert wurden. Es konnte nun einmal nicht jeder mit Witz und Verstand an die Grenzen des damals Möglichen elegant herangehen. Es finden sich auch genügend Beispiele für die „braunen“ wie für die kritischen Verse. Das war vollendete Kunst, meisterhafte Verse in verschleiernden Zwischentönen. Denn mit der Freiheit, das wusste jeder Mainzer, war vordergründig das auch bei den Nationalsozialisten verhasste Befreiungsdenkmal auf dem Schillerplatz, ein nackter Frauentorso mit erhobenem Arm, gemeint, das im März 1933 entfernt worden war. Die Nationalsozialisten kamen von Anfang an gern in die Sitzungen, der Oberbürgermeister stieg schon 1934 in die Bütt, ebenso der Provinzialdirektor, den die Nazis im Amt belassen hatten. Der Oberbürgermeister förderte die Fastnacht vor allem als Wirtschaftsfaktor. Noch nie zuvor waren die Kampagnen von einem solchen Presserummel begleitet gewesen. 1934 zeigten die Kinos die Fastnacht erstmals im Film. „Fox tönende Wochenschau“ zeigte Szenen vom Kindermaskenfest, Ufa und Emelka brachten eine Auswahl vom Zug, und Emelka zeigte die 1. Prunk- und Fremdensitzung. 1935 blickten die Fastnachter über die lokalen Grenzen und feierten die Verbundenheit zwischen der Düsseldorfer und der Mainzer Fastnacht. Die Mainzer machten Besuch in Düsseldorf, die Düsseldorfer kamen nach Mainz und brachten einen unverständlichen Zuruf - „Helau“ - mit, der ein Jahr später zum offiziellen närrischen Gruß in Mainz proklamiert wurde.

So sehr die Nazis die Fastnacht auch nach außen hin hofierten, weil sie ihnen als „Blitzableiter“ und als Wirtschaftsfaktor nützlich erschien, so sehr blieben Misstrauen und Unbehagen wach. Deshalb starteten sie, vor allem in den beiden ersten Jahren nach der „Gleichschaltung“, auch immer wieder Versuche, die Fastnacht über Reglementierung, Ideologisierung und Einschüchterung in den Griff zu bekommen. Als in der närrischen Generalversammlung von 1935 die zahlreichen Ehrengäste begrüßt begrüßte, kritisierte der „Mainzer Anzeiger“ dies als das Nacheifern eines Unfugs „aus einer marxistisch-liberalistischen Zeit“. Während der Fastnachtstage zogen sich „die Partei“, SA, SS, HJ und BdM zurück; die NSDAP erließ jedes Jahr eine Verordnung, die allen politischen Leitern für die Fastnachtstage das Tragen von Uniformen und Parteiabzeichen verbot. Die Hakenkreuzfahnen mussten eingezogen werden, die Dienststellen der Partei blieben geschlossen. Verpönt war auch das Zeigen der „Parteiembleme“ in der Fastnacht.

Die Kampagne des Jahres 1938 sah das einzige Prinzenpaar zwischen 1914 und 1939. Damit endete -kriegsbedingt- die dritte Phase der Mainzer Fastnacht.

Neubeginn und Wirtschaftswunder

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„Am Neujahrstag 1946 erschien bei einem alten Aktivisten des Mainzer Carneval-Vereins eine 66jährige Frau. Sie wies auf eine Zeitung hin, in der die Verordnungen über die Wiederherstellung des Vereinsrechts veröffentlicht waren, und sagte: „Ihr werdet doch nicht vergessen, den Mainzer Carneval-Verein anzumelden?“ So leitete der „Neue Mainzer Anzeiger“ vom 1. Februar 1946 seinen ersten Artikel über den MCV und die Mainzer Fastnacht ein, einem Tag vor dem ersten vom Kulturbund mit Aktiven des MCV veranstalteten „Mainzer Abend“ im Hörsaal der Kunstschule am Pulverturm.

Ganz so schnell, wie die „66jährige Frau“ gewünscht hatte, ging es nicht voran, aber die erste Initiative lag an jenem 1. Januar schon einige Wochen zurück.Interessanterweise ging sie von dem französischen Stadtkommandanten aus. In einer Besprechung, die dieser im Oktober 1945 mit "Altkarnevalisten" geführt hatte, stellte der Stadtkommandant den überraschten Fastnachtern die Frage, wann sie wieder Fastnacht machen wollten. Die Angesprochenen hatten Ratlosigkeit geäußert angesichts des trostlosen Zustandes allenthalben, und geantwortet, keine Möglichkeit zum Feiern der Fastnacht zu sehen. Sie wurden aber aufgefordert, sich innerhalb von drei Tagen zu äußern; er kannte die Mainzer Fastnacht aus eigenem Erleben und forderte ein Ventil, das den Lebensmut der Bevölkerung anspornen sollte. Falls die Erklärung negativ ausfalle, drohte der Stadtkommandant, werde die Militärregierung Berufskräfte mit der Durchführung beauftragen. Die "Altkarnevalisten" hatten innerhalb der gesetzten Frist erklärt, sie sähen sich außerstande, die Mainzer Fastnacht wieder aufleben zu lassen, sie seien aber bereit, mit einer besonderen Veranstaltung den Mainzern Freude zu bereiten. So entstand die Idee zu den „Mainzer Abenden“, eine Form der Unterhaltung, die aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg bekannt war und damals auch in den Sommermonaten veranstaltet worden war. Mit den oft zitierten Worten: „Sie dürfen von uns heute keinen Karneval, nicht einmal einen Ausschnitt daraus erwarten, wir wollen lediglich und schlicht einen Abend mainzerischer Art gestalten“, wurde eine Veranstaltung eröffnet, die die Besucher wie eine „Vorstellung“ erleben sollten, aber wie eine Sitzung aufnahmen. Der Hörsaal fasste 350 Besucher . Aus den drei, vier geplanten Wiederholungen wurden insgesamt 14. Nur bei der letzten wurden einige Verse hinzugefügt, die sich auf die Fastnacht bezogen. Der Redner zog seine Kappe aus der Jubiläumskampagne 1938 hervor, setzte sie aber nicht auf.

Vor der amtlichen Bestätigung hielt der MCV am 3. Juni 1946 in der Gaststätte „Roter Kopf“ - „Behelfsheim“ genannt , denn die Stadthalle war ausgebrannt - die ersten Aktiven-Versammlung ab, in der Heinrich Hilsenbeck die Bildung eines kommissarischen Vorstandes bekanntgab.

Am 11.11.1946 kamen die Mitglieder zur ersten Generalversammlung im „Roten Kopf“ zusammen.

Die Versammlung der Fastnachter und die sich abzeichnenden Fastnachtsvorbereitungen stießen in der von Not gezeichneten Stadt auch auf Befremden. Schon vor der Generalversammlung meldeten die katholischen Mainzer Pfarrer Bedenken an. Am 21. Oktober 1946 leitete das Dompfarramt als Dekanat Mainz-Stadt dem Oberbürgermeister ein Schreiben von 10 Pfarrgeistlichen zu, in dem diese auf den Weinmarkt Bezug nahmen. Der Weinmarkt habe nach dem Plan der Stadtverwaltung „den Lebenswillen und den Aufbaudrang“ der Bevölkerung steigern sollen. Statt dessen "sei ungezügelte Genusssucht geweckt worden und unverhohlen geäußerte brutale Gier, sich in der rohesten Form auszuleben. Man habe während des Weinmarktes, besonders in den Nächten, auf den Straßen Dinge erleben müssen, für die man keine Bezeichnungen habe und die für die Jugend in Zukunft chaotische Zustände befürchten lassen müssten."

Die Pfarrer baten die Stadtverwaltung, die für 1947 geplanten öffentlichen Karneval-Veranstaltungen nicht zu gestatten. Der Oberbürgermeister antwortete, er habe das Schreiben weitergeleitet; soweit er unterrichtet sei, würden für 1947 nur geschlossene karnevalistische Veranstaltungen geplant, „ein öffentliches Karnevalstreiben kommt auf keinen Fall in Frage“. Er billige die genannten Gründe und habe mitgeteilt, dass er Wert darauf lege, „dass, wenn schon Karneval gefeiert wird, auf den Ernst der Lage und die von Ihnen gemachten beachtlichen Darlegungen Rücksicht genommen werden muss“. In einem ausführlichen Schreiben antwortete ihm der MCV, das Schreiben des Dompfarramtes habe in jeder Hinsicht überrascht, zumal von Ausschreitungen bei dem Weinmarkt nichts bekannt gewesen sei. Eine Parallele zum Karneval sei vollkommen abwegig. Die Mainzer Bürger, die den MCV leiteten - „zum größten Teil Katholiken“ - ließen sich keinesfalls von dem Gedanken an rauschende Feste oder an einen Amüsierbetrieb leiten. Vielmehr hätten sie es abgelehnt, als ihnen im Vorjahr „von maßgeblicher Stelle“ die Auflage erteilt worden sei, das alte Mainzer Volksfest wieder aufleben zu lassen, im Hinblick auf die Schwere der Zeit irgendwelche karnevalistischen Veranstaltungen durchzuführen. „Um jedoch den aus allen Teilen der Bevölkerung - und das darf auch an dieser Stelle betont werden, darunter sehr glaubenstreue Katholiken - geäußerten Wünschen, etwas für die geistige Entspannung der materiell und ideell so hart betroffenen Bevölkerung zu tun, haben wir uns damals zur Durchführung der allseits mit größtem Beifall aufgenommenen „Mainzer Abende“ entschlossen. Der Ernst der Zeit werden keinesfalls verkannt. Weder die Kriegsgefangenen noch die Hinterbliebenen der Kriegsopfer oder die anderen leidenden Menschen würden vergessen. Deshalb wolle der MCV dazu beitragen, dass sich sein altes Motto „Lache unter Tränen - und Du wirst ihrer Herr!“ verwirkliche.

1947 wagten MCV und MCC vorsichtig die erste Kampagne nach dem Krieg. Das Komitee erschien schon wieder in Kapp und Frack. Kohlekarten lieferte das Versorgungsamt und ausgeschenkt wurde ein „bierähnliches Getränk“. Die Eintrittskarten kosteten 3 - 4 Mark und auf dem Schwarzmarkt wurden dafür 300 - 400 Mark geboten und sogar ein Orden konnte gegen Ende der Kampagne überreicht werden.

Bis 1951 mussten alle Vortragstexte der Miltärregierung zur Genehmigung eingereicht werden.

Ab der Kampagne 1949 nahm niemand mehr Anstoss an der Fastnacht. Die Währungsreform von 20.6.1948 und der Marshallplan hatten bereits Wirkung gezeigt. Die Versorgungsengpässe, die noch die Durchführung der Kampagnen der beiden Vorjahre gefährdet hatten waren beseitigt. Das Wirtschaftwunder begann. Maskenbälle waren zwar weiterhin verboten, aber als neue „Narrhalla“ wurde das Kurfürstliche Schloss bezogen.

Einen Zug gab es erst 1950 wieder. Finanziert wurde dieser zum ersten Mal durch den Verkauf von Plaketten. Die Finanzierung des Zuges bereitete in den Kampagnen der nächsten Jahre zunehmend Schwierigkeiten, zumal 1953 ein Ratsmitglied im Finanzausschuss bemerkte, dass es eigentlich nicht vertretbar sei, einen Zuschuss von DM 20.000,-- Mark zu bewilligen „zumal das Niveau der Fastnachtszüge immer mehr absinke und es an originellen Ideen fehle“. Der Verkauf der Zugplaketten lasse ebenso nach wie die Spendenbereitschaft der Wirtschaft. "Viele Betriebe, die von dem Zug profitieren, beteiligen sich sich an den Spenden nicht in dem Maße, wie man dies billigerweise von ihnen erwarten könnte“.

Diese Klagen hören sich durchaus modern an und passen ebenso in die heutige Zeit.

Man einigte sich darauf, dass auf die Eintrittspreise der Fastnachtsveranstaltungen ein Aufschlag zur Finanzierung des Rosenmontagsumzugs erhoben werden solle. An sich war damit die Entwicklung der Nachkriegsfastnacht abgeschlossen.

Der „singende Dachdeckermeister“ Ernst Neger, Dr. Willi Scheu als „Bajaß mit der Laterne“ und Herbert Bonewitz als Musikclown gehörten zu den Fastnachtern der ersten „Nachkriegsstunde“.

Die politisch-literarische Fastnacht fand auch in den bundesrepublikanischen Kinderjahren nicht immer zustimmende Resonanz bei den Politikern. 1951 ließ das Innenministerium die Landräte und Oberbürgermeister wissen, dass „Erfahrungen der letzen Zeit es als notwendig erscheinen ließen, in geeignet erscheinender Weise durch persönliche Fühlungsnahme den Veranstaltern von Karnevalsumzügen zu empfehlen, von Zugnummern und sonstigen Veranstaltungen abzusehen, die außenpolitische Rückwirkungen haben könnten“.

Sogar das Bundeskabinett beschäftigte sich mit der in der Fastnacht geäußerten Kritik und das Bundesjustizministerium wurde aufgefordert zu überlegen, ob eine Gesetzesbestimmung geschaffen werden könne, die „maßgebliche Persönlichkeiten“ der Regierungen vor Verhöhnung und Verunglipfung schütze.

Hört, hört !!! "Zum Vierten" (Anm. der BCA)

Der Beginn der "Fernsehfastnacht"

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Ab 1956 konnten die Gonsbach-Lerchen als „neuer Stern am Mainzer Fastnachtshimmel“ unter der Leitung von Joe Ludwig (musikalischer Leiter: Herbert Bonewitz) gefeiert werden. Mit ihrem Programm „Jede Sekunde ein Hering“ als Persiflage auf die Fernsehsendung „Jede Sekunde ein Schilling“ schrieben sie bereits in ihrem ersten Aktivenjahr Fastnachtsgeschichte. Die politischen Themen hatten in den Sitzungen ein starkes Gewicht. Große Resonanz löste beispielsweise 1959 die mit dem MCC gemeinsam veranstaltete Fernsehsitzung „Mainz, wie es singt und lacht“ aus. Am 27. November 1959 hatte Nikita Chruschtschow, der sowjetische KP-Chef, seine Drohungen gegen die Westbindung Berlins erneuert und die Solidarität der Westmächte auf die Probe gestellt. In der Fernsehsitzung der folgenden Kampagne spielte das Berlin-Thema eine große Rolle. Insgesamt achtmal kam es zur Sprache.

Die jährliche ARD-Fernsehsitzung „Mainz, wie es singt und lacht“ -trotz Rheingoldhalle- aus dem kurfürstlichen Schloss machte ab 1954 die Mainzer Fastnacht in ganz Deutschland bekannt und beliebt. 1964 folgte das ZDF mit der zweiten Mainzer Fastnachtssendung "„Mainz bleibt Mainz" mit dem Urgestein der Mainzer Fastnacht, Rolf Braun als Sitzungspräsident, nach. dies hatte notwendigerweise Konkurrenzdenken zur folge. Die Kritik, die nun bundesweit folgte, empfanden die Vereine als ungerechtfertigt, sie verunsicherte zunehmend die Aktiven.

Mitte der 60-iger Jahre erschienen Ernst Negers „Humba, humba, humba täterää“, das aus der Feder von Toni Hämmerle stammte und Margit Sponheimers „Gell, du hast mich gelle gern“.

Schon 1969 gab es erste Bestrebungen die beiden Fernsehsitzungen zu verschmelzen. SWF und ZDF hatten eine Umfrage gestartet, ob es bei zwei Sitzungen bleiben sollte oder ob eine genügen würde. Das Ergebnis war geteilt. Erst nach einer mißglückten Fernseh-sitzung 1972 war aber die Zeit reif. Die Bewertung der Sendungen war kontinuierlich von plus 10 in den ersten Jahren auf nur noch plus 1 fefallen. Dies wurde zum Anlass genommen, die beiden Fernsehsitzungen zu „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ zusammenzulegen. Die Sendung wird seitdem von ARD und ZDF alljährlich im Wechsel übertragen. Das Engagement der Medien hat schlussendlich dazu beigetragen, dass die Qualität der Mainzer Fastnacht den Standard erreicht hat, den alle Fastnachter kennen und schätzen...

mit allen sich daraus ergebenden Problemen finanzieller Abhängigkeiten und Rücksichtnahmen auf politische Sensibilitäten, die nicht zu übersehen sind, und die auch nicht verschwiegen werden sollen. (Anm. der BCA)

Diesem Standard fühlen sich -wenngleich in viel bescheidenerem Rahmen - auch die Narren der BCA verpflichtet . . . auf dass kein Geld und kein Politiker der Welt die Unabhängigkeit der Büttelborner Fastnacht möge einschränken können.

Zusammenfassender Auszug aus den Internet-Präsentationen der Stadt Mainz und des MCV sowie Auszüge aus dem Buch: Bürgerfest und Zeitkritik - 150 Jahre Mainzer Carneval-Verein 1838-1988 von Friedrich Schütz