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Ein Querschnitt fastnachtlicher Symbolik und TraditionenKaum hatte vor 150 Jahren die Fastnacht ihr geordnetes Ritual erhalten, brauchte sie natürlich auch in Regeln erfassbare närrische Symbole. Einer gängigen Meinung zufolge sollte es deren Sinn und Zweck sein, das bestehende Herrschaftssystem zu persiflieren. Ansatzweise wird dem auch so gewesen sein, aber es steht andererseits fest, dass von Anfang an die Zeichen der Narrheit einen Eigenwert hatten, den man zu schätzen und zu nutzen wusste. Das wird schon dem ersten Prinzen in Mainz so ergangen sein, als er 1838 bei seiner Kürung auf dem Marktplatz seine gold(!) gestickte Atlas-Kappe absetzte, um sie mit der Narrenkrone zu vertauschen. Sein Thron war zwar mit Brezeln geschmückt, doch er war immerhin so beschaffen, dass er, wie es in einer alten Chronik heißt, „allgemeine Bewunderung fand“. Und als der „Held Carneval“ darauf Platz nahm, angetan nicht etwa mit Flitter, sondern mit gold-besticktem Samtmantel, einem goldenen Mond auf der Brust und dem Narrenzepter in der Hand, da wird er sich schon bedeutend vorgekommen sein! Stern und Kapp‘ - der Bürger Zier - wiederum entwickelten sich schnell zum beliebtesten Mainzer Weihnachtsge-schenk. Die Kappe wies ihren Träger ohnedies einer gewissen Elite zu - und das war es dann auch, was die „Duttinger“ 1845 mit einer Papiertüte als Alternative auf den Plan brachte. Bedeutsamkeit haftete nicht minder den Orden an. Schon um die Mitte der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts spöttelte ein Büttenredner über einen namentlich benannten Bürger, dieser werde sich in hundert Jahren noch darüber ärgern, dass er diesmal keinen Orden erhalten hatte..... Ei, gugge mol do !!! (Anm. der BCA) Statuten von 1838 weisen neun (nicht elf) Mitglieder des „Comités“ als „Würdenträger“ aus, sprechen dem Zeremonienmeister die Aufgabe zu, die „Honneurs bei den Ehrenmitgliedern zu machen“, und bestimmen den Schatzmeister zum Herren über Kappen und Vereinsordnung, denn: „Kein Mitglied darf ohne seine wappengerechte Kappe im Versammlungssaale erscheinen. . . . eine 4-farb-bunte Orgie Die vier Fastnachtsfarben ROT-WEISS-BLAU-GELB sind schon seit den ersten Jahren der Fastnacht nachweisbar, ohne dass man Herkunft und Bedeutung der Farben genau kennt. Günter Schenk zitiert in seinem Buch "Fassnacht in Mainz" einen Büttenredner, der im Jahre 1840 seine Narrenkappe in den Saal schwenkte und dazu reimte: "WEISS ist die Reinheit unserer Absicht, dein GELB ist das Sonnengold unserer Herzen, dein ROT ist die Feuerfarbe unserer Gedankenbilder, dein BLAU ist der Azurhimmel unserer Freudigkeit." Es war dies eine poetisch-romantische Beschreibung mit momentanem Unterhaltungswert, aber ohne jeden realen Bezug. Eine durchaus interessante Deutung weist auf die Trikolore der französischen Revolution mit den Farben BLAU-WEISS-ROT hin, die um die Farbe GELB erweitert wurde. Bekanntlich wurde die erste Mainzer Narrenkappe nach dem Vorbild der Jakobinermütze gefertigt, die eine Kokarde in den Farben BLAU-WEISS-ROT aufwies. Das GELB könnte als alte Kirchenfarbe oder als eine der Farben, die im Kostüm der Clowns und Harlekine dominierten, einge-bracht worden sein. Sei es wie es sei. Wichtig für den Fastnacht er ist, dass Blau in dem Vierfarbbanner enthalten ist, denn kaum ein anderes Wort reimt sich besser auf HELAU. Kleine fastnachtliche Wappenkunde Das erste nachgewiesene Wappen der Mainzer Fastnacht findet sich erstmals abgebildet auf der Titelseite des „Narrhalla-Lieder“- Buches aus der Zeit um 1845. Es vereint vier Symbole: Die närrische Zahl 11, die an Don Quichote gemahnende Windmühle, den Mond, der der Narren Zeit bestimmt, und die Rose, die ihrer Natur nach niemals ohne Dornen ist. In einer Studie von Philipp Kepplinger wird die Weiterentwicklung des Mainzer Fastnachtswappens wie folgt dargestellt: „Bald tritt ein Pokal an die Stelle der Rose. Um 1875 erscheint das Mainzer Rad im Narren-Wappen; zunächst als Einzelrad und im Jubeljahr 1888 als Doppelrad. Der Mond wechselt auf die andere Seite und nimmt zu, und 1902 sitzt plötzlich einmal die Eule der Weisheit auf dem Platz des Mondes. Der Apfel mit der Wespe muss 1913 in das Wappen aufgenommen worden sein; er hat seinen Platz bis heute behalten. Das Wappen der BCA stammt aus ihren Anfangstagen und fraglos haben sich die Gründer der BCA vom Wappen der Mainzer inspirieren lassen. Aufgeteilt in 4 Felder, die -merkwürdigerweise heraldisch durchaus noch korrekt- mit den 4 Fastnachtsfarben unterlegt sind, findet sich im oberen linken Teil das Symbol aller Narren, die 11. Rechts daneben der Sauerkrautstampfer, ein Symbol, das die Verbundenheit der BCA mit Büttelborn und seiner Bevölke-rung dokumentiert. Im unteren Teil findet sich links der Krautkopf, ebenfalls ein Büttelborner Wahrzeichen und rechts - im Gegensatz zur Theatertradition, in der stets die lachende und weinende Maske dargestellt wird- nur die lachende Maske als Zeichen, dass in der Fastnacht nur der reine „Spaß an der Freud‘“ Platz findet. Die Farbgebung orientiert sich dabei nicht mehr an den Grundsätzen der Heraldik, sondern an den fastnachtlichen Erfordernissen. Umrahmt wird das Ganze - heraldisch auch nicht korrekt, aber sehr dekorativ - von „Helmdecke“ und „Helmzier“, d.h. einem Federköcher. Den Helm selbst hat man sich aber - eingedenk friedlicher fastnachtlicher Tradition - gespart und durch einen einfachen Reif ersetzt . Die Farben der Unterlegungen der Symbole haben im Laufe der Jahre mehrfach die Felder gewechselt, blieben aber stets rot, weiß, gelb und blau treu.
. . . und nun gebe ich die Bütt frei . . . Die Bütt ist quasi "närrisches Hoheitsgebiet" auf dem der Vortragende die vielzitierte Narrenfreiheit genießt, in der er glaubt, das sagen zu können, was er sich vielleicht sonst nicht zu sagen getraut hätte. Sie ist das närrische Rednerpult für Witz, Geist und Satire, also dem eigentlich Spezifischen der Fastnacht. Ihrer Herkunft nach ist die Bütt ein halbes, nach hinten geöffnetes Weinfass. Ist sie zu ihrem närrischen Verwen-dungszweck wegen ihres symbolischen Inhaltes gekommen? Der Wein gehört schließlich unabdingbar zum närri-schen Geschehen. Oder dachte man bei ihrem Einsatz an Diogenes, den weisen Mann aus dem antiken Griechen-land, der aus einem solchen Fass seine Philosophie verkündete? Vielleicht hat man deshalb im Laufe der Zeit der Bütt das Aussehen einer Eule, dem Vogel der Weisheit, gegeben und nennt sie aus diesem Grund auch respektvoll "die Eulentonne"? Wie oft hat der Narr in der Vergangenheit durch gesunde, konstruktive Kritik Anregungen gegeben und dazu beige-tragen, dass lokale Probleme im Bürgersinne gelöst werden konnten? Deshalb bedient sich auch gerne die profane Prominenz der Bütt, um ihren Standpunkt möglichst gereimt und humorvoll vorzutragen. So steht die Bütt auch als närrisch demokratisches Forum, als Instrument für praktizierte Narrheit-Einigkeit. . . . und ein dreifach donnerndes Helau "Unserer BCA ein dreifach donnerndes Helau", dieser Satz gehört zum vielgebrauchten närrischen Vokabular eines jeden Sitzungspräsidenten. Ein dreifaches HELAU wird auch auf die Aktiven, die die Sitzung gestalten, als Lohn für ihre Leistung ausgebracht. Ohne HELAU wäre eine Prunksitzung überhaupt nicht vorstellbar. Aber dies war nicht immer so. Bis 1934 erklang in Mainz zu Ehren der Mitwirkenden ein "Hoch" oder "Hurra". In der Kampagne 1935 wurde dann erstmals das neue HELAU angestimmt, das eine Delegation Mainzer Fastnachter von einem Freundschaftsbesuch in Düsseldorf mitgebracht hatte. Es ging den Mainzern so in Fleisch und Blut über, dass selbst bei profanen Fest- und Umzügen außerhalb der Fastnachtszeit oft vom Straßenrand ein fröhliches HELAU erklingt. Bei der Forschung nach der Herkunft dieses Zauberwortes wurden weltliche und kirchliche Quellen befragt. Volkskundler haben dabei herausgefunden, dass es gar nicht so abwegig wäre, das HELAU als Verballhornung des kirchlichen Jubelrufes HALLELUJA zu deuten. Das ist umso wahrscheinlicher, als in bestimmten Regionen des Rheinlan-des die Narren noch heute AJUJA rufen. Vielleicht begegnet einem unserer karnevalistischen Altvorderen, die wir im christlichen Glauben im Narrenhimmel wähnen, irgendwann einmal auf "Wolke 11" Gott Jokus. Möglicherweise kann er dann diese Vermutung bestätigen oder dementieren. . . . es ist nicht alles Gold, was glänzt Ordenszeichen waren lange dem Adel und den Militärs vorbehalten gewesen, das neunzehnte Jahrhundert ließ das Ordenswesen allerdings in bisher ungeahntem Maße expandieren, auch Normalbürger hatten nun die Chance, für Verdienste ausgezeichnet zu werden. Im übrigen war 1813 mit dem „Eisernen Kreuz“ das erste sozusagen klassenlose Verdienstabzeichen geschaffen worden. Die Geschichte der närrischen Orden ist dabei so alt wie die organisierte Fastnacht selbst, die im Jahre 1838 begann. Eines der Gründerziele war es, das Ordens(un-) wesen von Adel und Militär zu persiflieren. Die Narren konnten sich nun aussuchen, in welche Kategorie sie sich einordnen wollten. Sie waren ja sowohl von närrischem Adel als auch Streiter im Dienste des Gottes Jocus als auch Bürger, die sich um ein vaterstädtisches Fest verdient machten. Also standen ihnen theoretisch alle denkbaren Ordensformen zu. 1838 nahmen sie es noch als Jux hin, dass zwölf herausragende Männer mit dem „Kamel-Orden“ belohnt und zu „Kamel-Rittern“ geschlagen wur-den. Doch bald glitzerte und strahlte es an den Narrenbrüsten, dass ein jeder seine Freude daran haben konnte. Band, Stern und Kreuz kombinierte man in bester Manier - und die meisten Orden sahen bald so aus, als seien sie wirklich welche und mindestens vom Großherzog verliehen. Bis zum ersten Weltkrieg orientierte man sich am Vorbild der offiziellen Auszeichnungen, dann erst setzte sich die närrisch-kreative Phantasie durch. Gekreuzte Schwerter ersetzte man durch Pritsche und Narrenzepter, der deutsche Adler machte der Eule Platz, lokale Motive fanden Einzug. So zeigt der erste Nachkriegsorden des MCV den Narren, der versucht, vor der Stadthalle den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Orden gehören zur Fastnacht wie andere Symbole. Durch ihn identifiziert sich der Narr mit seiner Korporation und trägt ihn als sichtbaren Beweis für sein Engagement in "der herrlichsten Nebensache der Welt". Heute sind die Orden nicht selten kleine Kunstwerke - im Prinzip also von der ursprünglichen Bedeutung wieder weit entfernt. Auch die Hausorden der BCA entstammen seit vielen Jahren eigenen Entwürfen und auch in ihnen wird fastnachtliche Symbolik und Lokalkolorit verarbeitet. Es ist kein Wunder, dass es Pseudo-Fastnachter gibt, die mit allen möglichen Tricks versuchen, in einer Kampagne so viele der begehrten Orden abzustauben, dass sie ihren Rücken noch behängen müssten, da die Brust allein nicht mehr ausreicht. Und das alles ohne Nachweis fastnachtlichen Tuns. Der aktive Narr bedauert und verurteilt dies, bleibt aber vom ideellen Wert seines redlich verdienten Ordens überzeugt. „Wie bei uns in jedem Jahr: es regiert das Prinzenpaar!“ In Köln regieren alljährlich Prinz, Jungfrau und Bauer, das legendäre "Dreigestirn". In allen sonstigen Hochburgen von Karneval, Fasching, Fasnet und Fastnacht inthronisiert man für jede Kampagne "sein" Prinzenpaar. Mainz bildet darin eine Ausnahme. Dort wird ein Prinzenpaar "nur zu besonderen Anlässen" als närrischer Regent an die Spitze der Fastnacht gestellt. Dabei haben närrische Tollitäten auch in Mainz durchaus ihre Tradition. Bereits 1838, regierte ein "Prinz Carneval". Ein Jahr später war es schon ein "König Carneval", der zusammen mit der "Jungfrau Moguntia", die freilich ein Mann war, das Zepter schwang. Im Jahre 1897 war es sogar der amtierende Mainzer Oberbürgermeis-ter Dr. Heinrich Gassner, der die Prinzessin mimte. Zum ersten Mal in der Geschichte der Mainzer Fastnacht wurde die Prinzessin zum 100-jährigen Jubiläum von einer leibhaftigen Frau verkörpert, die als "Hildegard 1." zusammen mit Prinz "Martin 1." Mainz und seine Narren verzauberte. Auch hier weichen die Büttelborner Karnevalisten von ihren Mainzer Vorbildern ab. Von Anfang an gab es für jede Kampagne ein Prinzenpaar. Der Prinz amtiert dabei stets zwei Jahre während die Prinzessinnen in jedem Jahr wechseln. Es überrascht, dass ein so kleiner Verein (die BCA zählt als Abteilung der SKV nur 65 Mitglieder) es inzwischen 55 Jahre lang geschafft hat, immer wieder Leute zu finden, die bereit waren, das höchste Amt im Narrenstaat zu übernehmen. Und unter den Namen, die sich in der Liste der ehemaligen Prinzen finden lassen, stehen mit dem langjährigen Sitzungspräsidenten der BCA, Gerd Haßler, und dem derzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden der BCA, Rudolf Schaffner sowie Andreas Barthel, Andreas von der Heiden, Erich Graf, Frank Fischer, Karsten Hoffmann, Roger Gölzenleuchter und Rolf Gölzenleuchter nicht weniger als 9 aktive Elferräte. Dass sich ihre Frauen der Aufgabe, ihre Männer im Amt als Prinzessin zu unterstützen, ausnahmslos nicht entzogen haben, versteht sich fast von selbst. Aber auch darüber hinaus findet man z.B. mit Brigitte Raiß, der langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Gymnastikfrauen und Aktiven auf der närrischen Bühne, dem Vorstandsmitglied der BCA, Karola Höfler, Petra Geißler, Tochter des unvergessenen „Büttenasses“ der BCA, Kurt Geißler und Dr. Katalin Ullmann durchaus bekannte Namen. Im Vorstand der BCA haben denkwürdigerweise allerdings die „Nicht-Prinzen“ mit 5 zu 4 die Mehrheit. Ein Reservoir für die Zukunft ? . . . und jedem Narr‘ gefällt sein Kapp‘ In den Karneval eingeführt wurde die Narrenkappe kurioserweise von einem preußischen General. Der schrieb sie 1827 in Köln obligatorisch vor, damit man die von der Obrigkeit argwöhnisch beobachteten Narren leichter erkennen konnte. Die Mainzer übernahmen diesen Brauch, als sie 1838 ihre Fassenacht organisierten. Die Form der Kappen entsprach zuerst jener Mütze, die die Jakobiner der Französischen Revolution von 1789 trugen. Diese war ursprüng-lich die Kopfbedeckung der Leibeigenen und Sträflinge und wurde bei den Bastille-Stürmern zum Symbol der "Liberté". Jetzt bedienten sich ihrer die nach "Narren-Freiheit" strebenden Bürger im Rheinland. Zunächst wechselten die aus Papier gefertigten Kappen von Jahr zu Jahr. Es war Brauch, sie am Aschermittwoch zu verbrennen - übrigens zusammen mit dem "Stern", einer runden Papierscheibe, die als Eintrittskarte für die Veranstaltungen der abgelaufe-nen Kampagne galt. Form und Ausstattung der Kappen änderte sich schon bald. 1840 hieß es im "Carneval-Almanach", das Produkt der Saison sei eine "schöne, dreischellige, dreischnabelige, vierfarbene Kappe". Die Zahl der Schellen und der „Schnäbel“ wechselte, manchmal kam es gar zu veritablen Ungetüm-Aufbauten auf den Narrenköpfen, die man zeitweise auch mit stilisierten Hahnenkämmen zierte. Eine andere Variante orientierte sich an der Bischofsmütze. Immerhin: in der „Vorzeit“ hatte es schon im Rahmen der Kinderfastnacht kleine „Narrenbischöfe“ gegeben, die mit Billigung der Kirche ihre Späße trieben. Zum Verbrennen waren diese neuen Kappen zu schade (und zu teuer). Es entwickelte sich eine Vielfalt von Kappen, aber auch eine Hierarchie vom einfachen Mitglied bis zum Komiteter. Trotzdem gibt es heute noch närrische Korporationen, in denen jeder, egal auf welchem Posten er aktiv ist, die gleiche Kappe trägt, getreu dem alten Motto: "Gleiche Brüder - gleiche Kappe!" In der BCA sind nur die 16 (in Worten: sechzehn) Elferräte „Kappenträger“ . . . . . . und als „Ehren-Kappenträger“ darüber hinaus mit dem amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Büttelborn, Horst Gölzenleuchter, und dem Landrat a.D., Willi Blodt, zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderem Maße um die BCA verdient gemacht haben. Auch die Kappen der BCA hatten schon die verschiedensten Formen und Farben. Die aktuelle „Kapp“ ist -passend zu den roten „Komiteter-Jacken“- elegant in rotem Samt und Goldbrokat gehalten . . . und -ein Novum in der Geschichte der BCA-: der große Zacken zeigt nach hinten. . . . und das Motto der diesjährigen Kampagne lautet . . . Während die Rosenmontagszüge in den 3 Fastnachtshochburgen am Rhein von Anfang an unter einem Leitmotiv standen, war ein Motto für eine Fastnachts-Kampagne früher die berühmte Ausnahme. Erst seit dem Neubeginn nach 1945 gibt es in Mainz in jedem Jahr das alle Mainzer Narren verbindende Motto. Vorschläge hierfür kann jeder unterbreiten. Seine Dichter müssen sich dabei an bestimmte Vorgaben halten. Das Motto soll aussagen, dass Mainz "golden" und die Fastnacht nirgendwo schöner ist. Helau und Humor sollen vorkommen, und wenn Lachen und Wein noch unterzubringen sind, wäre es perfekt. Das Ganze darf nicht mehr als zwei Zeilen lang sein. Die Mottoisten holen ihre Ideen aus allen Lebensbereichen. Am beliebtesten sind dabei immer noch die Rhein-Wein-Mägdelein-Kombinationen, aber auch kritische Akzente werden gesetzt. Selbst kirchliche Bezüge sind nicht mehr tabu. Trotz vieler Anleihen an die Mainzer Fastnacht folgen die Büttelborner Narren dieser Motto-Tradition kaum. Nicht nur, dass die Büttelborner Fastnacht nur selten unter ein Motto gestellt wird, und wenn, zeugen die eher schlaglichtartigen Aussagen derselben wie „Narrenhochburg Büttelborn“ eher vom Selbstverständnis der Fastnachter als von übertriebenem Lokalkolorit. Anders als in Mainz, wo mit „Wein“ und „Rhein“ zwei auch verslich gut zu verwendende Begriffe zur Verfügung stehen, ist dies in Büttelborn mit „Moorloch“ und „Sauerkraut“ vielleicht auch ein wenig eingeschränkt. Die Minister am närrischen Hof: Der Elferrat Die karnevalistische Korporation hat einen Vorstand und einen Elferrat. Die männlichen Vorstandsmitglieder gehören automatisch dem Elferrat an und haben dadurch das Recht, bei den Sitzungen auf der Bühne am Komitee-Tisch zu thronen, von dort Freunden, Bekannten und Ehrengästen zuzuprosten, und selbst stundenlang gesehen zu werden. Eine angesichts der in der Zwischenzeit professionellen Beleuchtungsanlage in der Büttelborner Narrhalla, dem Volkshaus, durchaus schweißtreibende Angelegenheit. Selbstverständlich haben auch die ehemaligen Prinzen ha-ben das Recht, dem Elferrat anzugehören. Dieses wird aber seltener in Anspruch genommen, so dass der Elferrat der BCA seit Jahren in fast unveränderter Besetzung auftritt. Ein Umstand, der beweist, dass auch die BCA trotz großem Publikumerfolgs unter Nachwuchssorgen zu leiden hat. Der Elferrat hat nach Ansicht des holländischen Soziologen Theo Fransen sein historisches Vorbild im Herzogtum Brabant. Als Herzog Anton von Burgund in einer Schlacht gefallen war, kamen die Abgesandten der sieben ältesten brabantischen Städte zusammen, um über die Nachfolge zu beraten. Am 4. November 1415 beschloss die Ver-sammlung, den ältesten Sohn des verstorbenen Herzogs als Nachfolger einzusetzen. Da dieser jedoch nicht einmal 11 Jahre alt war, wurde ihm der "Raad van Ellf" zur Seite gestellt - also ein Elferrat. Die Hymne der Narren: der Narrhallamarsch Als im Jahre 1838 der Mainzer Carneval-Verein ins Leben gerufen wurde, zählte der österreichische Regiments-Kapellmeister Karl Zulehner zu seinen Gründungsmitgliedern, der von Anfang an auf den Veranstaltungen des Vereins auch den Dirigentenstab schwang. Einen Karnevalsmarsch kannte man damals noch nicht. Es darf aber ange-nommen werden, dass man nach einer geeigneten Melodie suchte. Zu den populärsten Komponisten jener Zeit ge-hörte Adolphe Adam, dessen "Postillion von Lonjumeau" die Welt eroberte. An dem hohen D der Postillion-Arie be-rauschen sich noch heute Tenöre und Publikum. Adam schrieb aber unter anderem auch noch die Oper "Der Brauer von Preston", die zwar nicht die Berühmtheit des Postillions erreichte, der aber die Fastnacht den Narrhallamarsch verdankt. Sie wurde 1840 in Mainz aufgeführt. In ihr entdeckte Zulehner die Motive, aus denen er den Narrhalla-marsch zusammenstellte. 1844 dirigierte er ihn in seinem Arrangement erstmals bei der Eröffnung der Kampagne. Einen festen Text hat der Narrhallamarsch nicht. Gelegentlich wurden und werden ihm spontane Dichtungen unterlegt. Diese haben aber nur aktuellen Begeisterungswert. Beim Narrhallamarsch spricht die Musik für sich selbst. Intoniert wird der Narrhallamarsch bei den Prunksitzungen der BCA seit Jahrzehnten vom Büttelborner Blasorchester, dessen Leiter, Uli Conzen, als „Import aus der Kölner Fastnacht“ auf eine besondere Beziehung zu den musikalischen, fastnachtlichen Traditonen verweisen kann. . . . und zur sehr ansehnlichen, „militärischen“ Abteilung am Prinzenhof Wenn es in den Sitzungen heißt "Bühne frei für das Ballett", dann treten junge Damen in Erscheinung, die von den Sitzungspräsidenten stolz, aber nicht ganz korrekt, als "BCA-Ballett" vorgestellt werden. Vor einigen Jahren hat sich aus organisatorischen Gründen die „Garde“, deren Mitglieder auch das Showballett bilden, von der BCA gelöst und operieren seit dem eigenständig unter dem Logo der Abteilung Gardetanz. Ballett und Garde lockern die überwiegend rhetorische Programmfolge nicht nur optisch auf. Die BCA ist stolz darauf, dass Garde und Ballett sich ausschließlich aus „Büttelborner Mädcher“ und „- Buben“ rekrutieren. Seit Jahren beweist die Gruppe, dass vom einfa-chen "Hoch-das-Bein"-Rhythmus bis zur anspruchsvollen Choreographie eines "Show-Balletts“ der Phantasie-Bogen närrischer Aktivitäten weit gespannt sein kann. Diese Fastnachts-Balletts haben ihren Ursprung in den französischen "Ballett-Maskeraden" des 16. Jahrhunderts. Die wurden getanzt, während ein Ansager die Handlung erzählte und aus denen sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts das "Ballet de cour" herausbildete, wie es seinen Höhepunkt am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris erlebte. Es bestand aus einem Chor zum Lob des Königs sowie aus Szenen, die entweder getanzt, gesungen oder akrobatisch dargestellt wurden. Hinzu kam ein allegorisches, nach Vorbildern der Antike gestaltetes Ballett, das der König oft persönlich anführte. Diese Tanzkultur wurde an deutschen Königs- und Fürstenhöfen bereitwillig nachgeahmt. Von dort fand das Ballett Zugang zum Bürgertum und schließlich auch in den Karneval, der an und in den Residenzen zu Hause war, bevor er volkstümlich werden konnte. . . . ein Höhepunkt fastnachtlicher Umtriebe, der Rosenmontag Berühmt geworden ist der Rosenmontag durch die Umzüge in Mainz, Köln und Düsseldorf. Lange Zeit stand "Rasen" oder "rasender" Montag für das, was sich direkt vor Eintritt in die Fastenzeit tat. Hier wollte man allen Genüssen des menschlichen Lebens, insbesondere den fleischlichen, noch einmal nachgehen, was nur zu oft in Zügellosigkeit bis hin zur öffentlichen Raserei ausartete. Es war eben zu keiner Zeit leicht, "carne vale" - Fleisch, lebe wohl - zu sagen. In Mainz gab es im 16. und 17. Jahrhundert am Hofe des Kurfürsten ein ausgeprägtes fastnachtliches Treiben, dem die Napoleonische Zeit ein abruptes Ende setzte. Erst 1815, nach dem Wiener Kongress wurde es wiederbelebt. Nach Kölner Vorbild wurde 1837 der erste, noch kleine, aber bereits organisierte Umzug durchgeführt, der den un-kontrolliert, oft sogar unsittlich auftretenden Gruppen jede Chance nahm. Den ersten offiziellen Zug, der am 26. Feb-ruar 1838 durch Mainz lief und dem bis jetzt 99 weitere folgten, organisierte der 1838 gegründete Mainzer Carneval-Verein (MCV). In Büttelborn laufen die Züge von Anfang an am „Rosensonntag“. Organisiert vom Büttelborner Kulturring sind nahezu alle Ortsvereine - insbesondere die BCA, die in jedem Jahr traditionsgemäß mit Elferrat, Garde und Prinzenwagen dabei ist - und viele private Personengruppen beteiligt. Um die 100 Motivwagen, Musikkapellen und Fußgruppen lassen den Büttelborner Rosensonntags-Umzug zu einem weit über das Kreisgebiet hinausgehenden Ereignis werden, das in jedem Jahr Tausende von Besuchern anlockt. . . . woll’n mer en ’roilosse . . . Die Sitzungsvorträge in den Gründerjahren der Fastnacht um 1840 waren überwiegend "Plaudereien" in Prosa. Dazu kamen dann nach und nach neben Vorträgen in Versform auch Zwiegespräche. Allgemeine Politik war noch kein Thema, aber die "Lokalpolitik" spielte von Anfang an eine große Rolle. Bald mischten sich national-politische Töne in den bisher "romantisch" verlaufenden Karneval und die Vorträge wurden schärfer. Dies war eine Reaktion auf gesell-schaftliche Missstände und vor allem Protest gegen die Einschränkung von Presse- und Redefreiheit, wie sie im Deutschen Bund des Vormärz noch immer aus dem von Metternich bestimmten Wien verfügt wurde. Der sich im wei-teren Verlauf der Sitzungsgeschichte entwickelnde politische Vortrag verstand sich dabei stets als "gekonnte Kritik" und war mehr als Politisieren. Seine Quellen waren Geist, Humor und Toleranz seiner Interpreten. In den Jahren nach 1933 gehörte zu diesen Attributen noch sehr viel Zivilcourage, um sich dem "Mythos des 20. Jahrhunderts" nicht zu beugen - das geschah natürlich auch -, sondern ihm kritisch zu widerstehen. Als sich nach 1945 das Leben wieder normalisierte und erster Wohlstand einstellte, kam der so genannte "Kokolores"-Vortrag neben dem politischen zum Zug. Er thematisiert das Menschlich-Allzumenschliche und erfreut sich unverändert großer Beliebtheit. Der gute politische Vortrag wird aber nach wie vor als Programmpunkt in den Sitzungen unserer Zeit erwartet. Dessen wesentliches Anliegen fasste einmal ein Vertreter dieser Richtung so zusammen: hier den Spiegel vorzuhalten, ist Sinn und Zweck von uns'rem Streben. Und wenn wir dabei Freude geben und der, dem man 'nen Vorwurf macht, am Ende selbst darüber lacht, seht, des is unsre Fassenacht." Und in dieser Tradition bewegt sich seit nunmehr 55 Jahren auch die BCA. In den Prunksitzungen halten sich Kokolores und Politisches die Waage, sowohl in den Text- als auch in den Liedbeiträgen. Für deren Qualität sorgen seit Jahren Gerd Haßler, Otto Bender, Wolfram Schlicher und Helmut Petri und seit Neustem Stefan Müller, amtierender Protokoller seines Zeichens. Die BCA ist stolz darauf, dass alle Aktiven aus eigenen Reihen stammen und sich nur aus "Spaß an der Freud'" in jedem Jahr dem Publikum stellen. . . . und nun noch zur „11“ Die Elf gilt als närrische, geheimnisvolle und nicht zufällige Zahl. Der 11. Tag im 11. Monat markierte schon immer den Auftakt zu einer Zeit, deren Höhepunkt die Woche vor Aschermittwoch ist. Denn der 11.11., an dem auch St. Martin gefeiert wird, liegt genau 40 Tage vor Winteranfang, der zeitlich fast mit Weihnachten zusammenfällt. Noch einmal 40 Tage trennen Weihnachten von Maria Lichtmess (markiert im Kalender den frühesten Fastnachtstermin), und rund weitere 40 Tage sind es dann bis Ostern. Ostern trennt wiederum 40 Tage von Christi Himmelfahrt, das einen neuen Jahresabschnitt einleitet. Die Zahl 40 findet sich auch im französischen Wort für die Fastnacht (caree) wieder, das aus "quarante" abgeleitet wurde. Das Martinsfest ist sicherlich älter als die Fastnacht und die Narrenzahl 11, die aber schon im Mittelalter als magische Zahl bekannt war. Als Primzahl, die nur durch sich selbst oder eins teilbar ist, bildet sie zusammen mit der Zahl 13, die allgemein als Unglückszahl gilt, einen so genannten Primzwilling. Sprachlich entwickelte sich die Elf aus dem althochdeutschen "einlif" - was "Eins darüber" bedeutet, also eins über zehn. Wie viele Zahlen wurde die Elf im Mittelalter mit Hilfe des Glaubens gedeutet. Die Heilige Schrift war der Schlüssel, um zu sehen, was gut und böse ist - und gab damit auch den Zahlen ihre Wertung. Die Elf kennzeichnete alle Menschen, die außerhalb der Sittengesetze standen - alle, die die Zehn Gebote überschritten hatten. Damit verwies die Elf allgemein auf die Sünde und die damit verbundenen Vorstellungen von Welt und Weltuntergang im Alten wie im Neuen Testament. Auf alten Kupferstichen und Gemälden des 16. und 17. Jahrhunderts mit Darstellung des Weltuntergangs oder des Jüngsten Gerichtes zeigen Uhren stets die elfte Stunde an. Erst Mathias Joseph De Noel gab unter dem Eindruck der Französischen Revolution bei der Reform der Kölner Fastnacht der Elf eine neue Deutung: Eins neben Eins als Zeichen der Eintracht unter den Jecken. Auch der in der Reihenfolge veränderte Kampfruf der Französischen Revolution "Egalité Liberté Fraternité" musste wie das Siegel der Gründungsurkunde der Geckengesellschaft zu Kleve vom November 1331 zur Erklärung herhalten. Der Wahlspruch auf dem Klevener Siegel lautet: |